K-active Taping

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K-active Taping

Beitragvon Karin K. » 28.10.2012, 12:15

Hallo!

Wie schon versprochen, möchte ich euch von meinem Fortbildungskurs über K-active Taping erzählen.
2 Tage lang haben wir Kursteilnehmer uns gegenseitig "zugeklebt" und ich war erstaunt, welche Wirkungen so ein harmloses Band haben kann.

Zuerst einmal: Es geht hier darum, durch das Aufkleben von farbigen, elastischen Klebestreifen den Körper zu beeinflussen und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren!
Seit der WM und der letzten Olympiade kennt ja fast jeder die bunten Tapes, die von Sportlern an allen möglichen Stellen getragen werden.

Die Technik kommt aus Japan und wurde in den letzten Jahren durch die Erfahrung und die wissenschaftlichen Forschungen sehr verfeinert. Mittlerweile gibt es sogar schon verschiedene Strömungen und Ideologien. Auf You-tube kann man viele Beiträge sehen, die aber schon wieder von dem abweichen, was ich gelernt habe. Wichtig also - üben, testen und an den jeweiligen Fall anpassen.

Das Material: Es handelt sich um Baumwollstreifen mit eingewebten, elstischen Fasern, die mit einem Akrylkleber versehen sind. Allergische Reaktionen sind nur ganz ganz selten beobachtet worden. Es werden keinerlei Medikamente eingesetzt und/oder das Tape präpariert.

Die verschiedenen Farben haben schon auch eine besondere Wirkung - rot/pink eben wärmend bei degenerativen Erkrankungen, blau und hellgrün kühlend bei entzündlichen Problemen, beige und schwarz sind neutral.
Allerdings hat jeder auch so seine Vorlieben und einem pubertierenden Jüngling ein pinkes Klebeband zu verpassen, könnte contraproduktiv sein, aber wer weiß?
Wir haben das blind mit dem kinesiolog. Muskeltest geprüft und ich habe zum Erstaunen aller mit dem Tensor ausgetrestet. = gleiches Ergebnis. :wink:

Die Wirkung: Auf Grund der Elastizität kommt es zu keiner Fixierung eines Gelenkes!!! Es ist also keine Schienung möglich, die volle Beweglichkeit bleibt erhalten. Aber:
Je nach Anlagetechnik werden die Haut und das daruntergelegene Gewebe angehoben, was eine Druckverminderung bewirkt. Somit wird die Zirkulation verbessert, die Durchblutung und der Lymphabfluss werden beschleunigt, womit also die Ernährung, der Abtransport der Schlacken und der Abbau von Schwellungen verbessert werden.
Körpereigene analgetische Systeme werden aktiviert und die Kompression auf die Nervenenden reduziert - was bewirkt, dass innerhalb weniger Sekunden nach der Anlage schon die Schmerzlinderung einsetzt. Unglaublich, aber das habe ich live miterlebt. Toll! wirkt sofort!
Auch der Spannungszustand der Muskulatur kann beeinflusst werden - im Sinne von aktivierend oder dämpfend bei Muskelverspannungen. Sportler haben nachgewiesen eine verbesserte Ausdauer im getapten Muskel (Radrennfahrer tapen den Quadriceps) oder mehr Kraft (Handballer springen bei getaptem Wadenmuskel um cm höher!)
Nicht zu vergessen die viscerale Wirkung. Durch Anlagen auf bestimmten Zonen kann die Funktion der inneren Organe ähnlich wie bei der Akkupunktur oder Reflexzonenmassage positiv beeinflusst werden. Das funktioniert angeblich ganz besonders gut! Ist allerdings auch sehr heikel und es kann schnell das Gegenteil bewirkt werden.
Der Vortragende hat mir in einer Pause erzählt, dass er gerade am Erarbeiten eines neuen Gedankens ist: durch eine Faszien verschiebende Technik Einfluss auf die Lage und Wirkung der Meridiane zu nehmen. Im Laufe der Jahre verändert sich die Form und Haltung unseres Körpers (Gewichtszunahme, Gelenksfehlstellungen, Haltungsfehler ..) und da kann es auch zu einer Verschiebung der Lage einzelner Meridiane kommen. Habt ihr davon schon gehört oder etwas gemerkt? Nun kann er hier den Meridian wieder an die optimale Stelle zurückziehen und Stauungen oder Störungen aufheben. ?!

Das heißt also, die Anwendung ist unglaublich vielseitig: Bei Schmerzen aller Art, Lymphschwellungen, Muskel- Gelenksproblemen, in der Gynäkologie zur Unterstützung, bei der Stillenden zur verbesserten Milchproduktion, gegen Menstruationsprobleme, bei Migräne, ... Ja und Narben - ganz besonders Narben, die entstört werden durch spezielle Klebetechniken.

Der Vorteil für mich als Therapeut: Wenn ich behandle, dann lege ich für die Zeit der Therapie "meine Hand an", allerdings geht der Patient dann wieder weg. Das Tape bleibt aber drauf und bildlich gesehen bleibt meine Hand auch dran. Denn die eigentlich stärkste Wirkung tritt in den ersten 3-5 Tagen ein.
Das Tape wird auf die trockene, fettfreie Haut geklebt, richtig positioniert und dann durch festes Reiben erwärmt, womit der Akrylkleber aktiviert wird. Und das hält wirklich bombenfest. Meine Freundin ist damit 1 Woche am Meer segeln gewesen. Es sitzt also nicht nur wasserfest, sondern hält auch Salzwasser aus!
Man kann damit duschen, in die Sauna gehen, alles ist möglich, man spürt es gar nicht, denn es soll sich wie eine 2. Haut anlegen.

Der Kurs, den ich nun besucht habe, war für mich deshalb so wertvoll, weil hier nicht Muskel für Muskel, Gelenk für Gelenk geklebt wurde, sondern zuerst wurde mit Hilfe verschiedenster Tests geprüft, welche Struktur eigentlich betroffen ist und alle Zusammenhänge im gesamten Körper wurden beachtet. Eine Blinddarmnarbe, die zum Beispiel bei einer Teilnehmerin ein Schulterproblem ausgelöst hat, ein Muskel im Daumenballen, der die Hüftbeweglichkeit verringert (Im Cortex sehr prominent vertreten und ganz häufig ein Verursacher diverser Störungen!) Also alles Dinge, die bei oberflächlicher Betrachtung sooo weit auseinander liegen. Vielen von uns hier ist das aber bekannt und wir sind gewohnt, in Zusammenhängen zu denken.

So sanft diese Therapie nun erscheint, (als Anfänger haben wir alle den Fehler gemacht und mit viel zu viel Stretch geklebt), so wirkungsvoll ist es. Deshalb bitte: Lasst nur einen "Profi" ran, der das auch wirklich gelernt hat. Es kann viel schief gehen.
Zum Beispiel: Wir haben ja an uns selber geübt und meine Partnerin hat auf meiner Lendenwirbelsäule eine schmerzlindernde Anlage und ein stabilisierendes "Kreuz" geklebt. Da denkt man sich, dass da eigentlich nix schiefgehen kann. Ich habe es einfach da hinter meinem Rücken vergessen und bis abends dranlassen. Um etwa 23 Uhr, ich habe noch meine frischen Erinnerungen und Mitschriften sortiert und reingeschrieben, stelle ich fest - Ich habe Kreuzweh! Aber wie! Das kenne ich gar nicht an mir, weil ich einer der wenigen Menschen bin, der glücklicherweise keine Probleme mit dem Kreuz hat. Das Tape?!!! Weg damit. Aber trotzdem, ich konnte kaum schlafen, weil ich das Gefühl hatte, ein Bär sitzt in meinem Rücken, Stiche bis in die Nieren. Das habe ich dann am nächsten Tag im Kurs erzählt und der Vortragende hat bestätigt, dass ich das Tape ja nicht gebraucht hätte und falsch angelegt oder nicht notwendiger Weise kann es ordentlich Probleme machen. Und ich sage euch - erst 48 Stunden später war der Zauber wieder vorbei.
So lange hält die Wirkung an!.

Also, das wäre einmal so das Wichtigste. Wenn ihr noch Fragen habt, dann werde ich mich gerne bemühen, sie zu beantworten.

Liebe Grüße
Karin K.
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Re: K-active Taping

Beitragvon edeltraud » 28.10.2012, 14:02

Liebe Karin,

danke für deinen ausführlichen Bericht. Ich sehe ja diese Bänder immer wieder und dachte so bei mir: Auch wieder so eine Modeerscheinung.
Aber nun kenne ich dich und deine Genauigkeit und habe dadurch ein ganz neues Bild bekommen.
Mir gefällt es sehr, dass nicht nur "geklebt" wurde, sondern schon der ganze Mensch angeschaut wurde.
Sonst wäre es ja wieder nur etwas besser wie ein Medikament.
Aber wenn auch die Zusammenhänge bekannt sind, dann tut sich halt mehr.
Und immer wieder sind es die Narben, die so viel anrichten können.
Meine Schwiegermutter hat Jahre mit der Blinddarmnarbe gelitten, aber geglaubt hat ihr niemand. Ist ja auch schon 40 Jahre her.

Danke Karin nochmal, ist sehr wertvoll für unsere Leser!
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Re: K-active Taping

Beitragvon Karin K. » 28.10.2012, 17:43

Liebe Edeltraud!
Genau das ist der Grund, warum ich mir so viel Zeit genommen habe, euch dieses Thema näherzubringen.
Es ist ja eine Modeerscheinung geworden.
Du kannst diverse Tapes auch mit ganz mieser Qualität im Internet kaufen (die zwirbeln sich dann ganz schnell auf, ziehen schief oder kleben max. ein paar Stunden), dir ein paar Filmchen auf Youtube anschauen und loskleben. Genau so wird es in so manchen Instituten gemacht, es gibt ein paar Standardanlagen und fertig.
Schade wieder einmal, dass dann die ganze Technik in Verruf gerät.
Naja, alt bekanntes Problem für viele von uns.
Liebe Grüße
Karin K.
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Re: K-active Taping

Beitragvon Chipsi » 28.10.2012, 17:47

Danke Karin,
für deinen interessanten Bericht.

Bei wem hast du diesen Kurs gemacht?

Liebe Grüße

Chipsi
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Re: K-active Taping

Beitragvon Karin K. » 28.10.2012, 18:04

Liebe Chipsi!

Der Vortragende war ein K-active-Instruktor, Volker Nieves.
Der Kurs wurde von unserem Berufsverband der Physiotherapeuten, Physio Austria, organisiert und in unseren Verbandsräumlichkeiten abgehalten, also nur für PTs.
Allerdings wurden hier sehr viele, ganz spezielle Behandlungsanwendungen und Krankheitsbilder besprochen, sodass ein exaktes Wissen über die Anatomie, Ansatz - und Ursprung sowie die Funktion der Muskulatur ... vorausgesetzt waren.
Was es sonst noch für andere Anbieter gibt, kann ich nicht sagen und da weiß ich auch über die Qualität nichts.

Liebe Grüße
Karin K.
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Re: K-active Taping

Beitragvon maria40 » 28.10.2012, 18:24

Sehr, sehr interessant, vor allem dass aufgrund verschiedener Tests auch die Ursachen herausgearbeitet werden.

Danke für deinen interessanten Beitrag.

LG Maria
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